#Farmersforfuture – Wann ist endlich Schluss mit Bauern-Bashing?

Mit uns statt gegen uns! Unter diesem Motto waren gestern deutschlandweit tausende Bauern dazu aufgerufen worden auf die Straße zu gehen und ihrem Ärger Luft zu machen. Und das taten sie auch! Dem Aufruf wurde so zahlreich und laut Folge geleistet, dass die Traktoren-Konvois vielerorts ein ernstzunehmendes Verkehrschaos verursachten. Im Dialog, sowohl mit einzelnen Landwirten sowie auch mit größeren Gruppierungen und national agierenden Initiativen, wird schnell klar, dass sich ihr Frust in erster Linie gegen die Agrarpolitik der Groko und der amtierenden Agrarministerin richtet. Bemängelt werden die jüngsten Entscheidungen zu den Themen Insektenschutz, Düngeverordnung, Tierhaltung, Umweltschutz und dem Mercosur Abkommen, die insbesondere für die deutschen Familienbetriebe fatale Folgen mit sich bringen. Diese fühlen sich nicht nur mit ihren Ängsten und Sorgen allein, sondern von der Politik bewusst außen vorgelassen. Seitens der Bundesregierung wurde ein Großteil der Dialogversuche der Landwirte und Verbände ignoriert und die Betriebe somit zu den oben angesprochenen Themen vor vollendete Tatsachen gestellt. Kaum ein anderer Berufsstand ist so abhängig von der Politik und der Planungssicherheit wie der der Land- und/ oder Forstwirte.

Das Vertrauen in die politische Führungsriege im Bereich Agrarpolitik ist stark erschüttert. Die gestrige, bundesweite Demonstration ist ein historisch unvergleichlicher Hilfeschrei der in der Landwirtschaft tätigen Menschen. Dabei wollen die Bauern in einem wichtigen Punkt nicht missverstanden werden: Sie sind bereit für Veränderung und Fortschritt und wollen den Forderungen der Verbraucherinnen und Verbraucher nachkommen. Doch die für ihre Existenz elementar relevanten Entscheidungen dürfen nicht „nur“ im Supermarkt am Regal entschieden werden. Andernfalls droht langfristig ein drastischer Rückgang der landwirtschaftlichen Familien- und Mittelstandsbetriebe, auf die die Verödung ganzer Landstriche folgen wird. Positiver Wandel gelingt nur mit der Landwirtschaft: No Farmers – No Future!

LAND.SCHAFFT.HESSEN kritisiert, dass das Verständnis für die Belange der Landwirtschaft und die Erwartungen von Politik und Gesellschaft an die Landwirte oft stark auseinandergehen. Es herrsche ein Defizit zwischen dem, was die Gesellschaft fordert und dem tatsächlichen Kaufverhalten der Verbraucher und Verbraucherinnen. Viele Landwirte können die Forderungen der Politik nicht umsetzen, weil die Gesellschaft nicht konsequent handelt. Diese Entfremdung von der Realität empfinden viele Landwirte als Doppelmoral und macht es so schwierig, dem Verbraucher die enormen Leistungen der Branche nahezubringen. „Letztendlich sind und bleiben es die Landwirte, die den Bewohnern von Stadt und Land das Essen auf den Teller bringen – im Supermarkt wie im Bioladen“, so Philipp Victor Russell, einer der Initiatoren von LAND.SCHAFFT.HESSEN.

Helge Matthiesen, Chefredakteur vom Bonner General Anzeiger, erklärt im folgenden, sehr lesenswerten Kommentar, was die Bauern bewegt und wieso jetzt eine Wende eingeleitet werden muss: www.topagrar.com/management-und-politik/news/hilfeschrei-guter-kommentar-zum-bauernprotest-im-bonner-general-anzeiger

Wir möchten daher an die Landesregierung appellieren, die Sorgen, Ängste und die Chancen der Landwirte ernst zu nehmen. Nur so kann eine moderne Landwirtschaft zukünftig funktionieren.

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www.agrarheute.com/tag/bauerndemonstration www.welt.de/politik/deutschland/article202316162/Proteste-Zehntausende-Bauern-demonstrieren-mit-Traktoren
www.bild.de/politik/inland/politik-inland/bauernprotest-forderungen-nach-mehr-umweltschutz-sind-keine-spinnereien
www.faz.net/aktuell/politik/landwirte-demonstrieren-in-muenchen-appell-an-die-politik