Hilfe: Container-Verbot für Rundholztransporte lässt Waldbauern und Holzhändler verzweifeln

Seit einigen Tagen sind auf Hessens Landstraßen und Autobahnen merklich weniger mit Rundholz beladene Container-LKWs unterwegs. Der Grund dafür: Der CTU-Code!

Dieses Papier aus dem Jahr 2015 befasst sich mit den Verfahrensregeln für das Packen von Güterbeförderungseinheiten (CTUs) und warnt vor den Risiken bezüglich des Einsatzes von Universal-CTUs für unregelmäßig geformte Ladungsgegenstände. Unter diese Definition fallen laut der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO), der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) sowie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) auch Holzstämme (insbesondere Rundholz) und Schnittholz. Solchen Ladungen wären in Überseecontainern nicht mehr ausreichend zu sichern, da sie unter anderem beim Transport eine hohe Beschleunigungskraft entwickeln können.

Obwohl die Verfahrensregeln seit Jahren bestehen, kontrolliert das Bundesamt für Güterverkehr, gemeinsam mit der Autobahnpolizei, seit Anfang November deutschlandweit verstärkt Überseecontainer auf Ladungssicherheit. Entspricht der Container im Innern nicht den Richtlinien des CTU-Codes, müssen die Fahrer ihre Fracht dann meist noch an Ort und Stelle entladen. Die Holzladung erreicht dann nicht mehr den vorgesehenen Auslaufhafen, was bedeutete, dass der Export von Holz – derzeit meist nach China und Asien – zum Erliegen kommt. Die direkt daraus resultierenden Konsequenzen fallen uneingeschränkt auf alle Waldeigentümer zurück, egal ob Landesbetriebe, Kommunalwaldbetriebe oder Privatwaldbesitzer.

Die jüngsten Ereignisse auf Deutschlands Straßen haben den Markt aufgeschreckt, was dazu führt, dass einige Holzkunden bereits ihre Verträge „on hold“ gestellt oder ganz storniert haben. Insbesondere die asiatischen Kunden verlangen Planungssicherheit und sind für die deutsche Holzbranche von immenser Bedeutung, da China und Südostasien momentan die einzigen, noch funktionieren Absatzmärkte für große Holzmengen sowie für in Europa schwer verkäufliches Kalamitätsholz sind. Die angestrebte Bewältigung der Borkenkäferkalamität ist beispielsweise ohne diese Form des Holzabflusses nahezu unmöglich. Der heimische Holzmarkt ist aufgrund von enormen Schäden am Wald, die zum Teil auch den Folgen des herrschenden Klimawandels geschuldet sind, zusammengebrochen. Daher ist der Abverkauf von Schadholz, besonders Nadelholz, an ausländische Märkte in den letzten beiden Krisenjahren noch bedeutender geworden.

Fällt der Transportweg über Container weg, kann der asiatische Markt nicht mehr bedient werden und Deutschland ist als Exportpartner in Sachen Rundholz in Kürze aus dem Rennen. In Anbetracht dieser Kausalverkettung sahen sich erste Großspeditionen und Exportfirmen jetzt bereits gezwungen, eigene Maßnahmen in die Wege zu leiten, um dem drohenden Zusammenbruch des Absatzmarktes z.B. mit zusätzlichen Sicherheits-Gutachten, entgegenzuwirken.

Im Rahmen dieser Maßnahmen werden unterschiedliche Waldbesitzer in den nächsten Wochen unter Beaufsichtigung eines DEKRA-Fachmanns fortlaufend Testfahrten auf einem eigens dafür vorgesehenen Gelände durchführen. Die daraus resultierenden Ergebnisse sollen die laufende Debatte neu befruchten und werden selbstverständlich gerne mit der Öffentlichkeit sowie den beteiligten Parteien für eine Weiterentwicklung des CTU-Codes geteilt.

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR), die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) sowie die Familienbetriebe Land und Forst e.V. bitten den amtierenden Bundesverkehrsminister konkret darum, das bestehende Regelwerk, insbesondere den geltenden CTU-Code 7.2.9, zeitnah mit Ihnen zu diskutieren und zu überarbeiten, um schnellstmöglich eine praktikable und zufriedenstellende Lösung für den zukünftigen Rundholz-Export zu finden. Es muss gemeinsam die Entwicklung neuer Technologien zur Ladungssicherung vorangetrieben werden, sodass neue, verkehrssichere und dabei finanziell vertretbare Standards im Transportwesen geschaffen werden können.

Erst wenn eine solche Lösung gefunden ist, können seit über 25 Jahren bestehende, bis dahin reibungslos funktionierende und unfallfreie Arbeitsprozesse unterbunden werden. Wir verstehen den Antrieb hinter dem 2015 verfassten Regelwerk, möchten aber an dieser Stelle noch einmal betonen, dass es sich glücklicherweise bis heute um eine abstrakte Gefahr handelt.

Sollte seitens Politik und Verwaltung bei diesem Thema keine Dialogbereitschaft bestehen, kommt es nicht nur zu gravierenden Arbeitsplatzverlusten im ländlichen Raum in der gesamten Forst-Holz-Kette (Waldbesitzern, Holzhändler, Sägewerke, Veredelungsbetriebe, Spediteuren, etc.). Auch der deutsche Wald würde immens leiden, da die Bewirtschaftung von Schad- und Käferholz weitestgehend eingestellt werden würde. Die aus diesem Schritt resultierenden ökosystemaren und volkswirtschaftlichen Folgen gilt es aus unserer Sicht unbedingt zu verhindern!