Der Haushaltsentwurf für 2020 und der Finanzplan bis 2023 liegen vor – welcher Anteil davon geht in die Rettung unserer Wälder?

Die größte Aufmerksamkeit erfahren im neu vorlegten Haushaltsentwurf und Finanzplan der hessischen Landesregierung die folgenden Schwerpunktbereiche: Bildung, Sicherheit, Digitalisierung, das Thema Schuldentilgung, die Stärkung der Kommunen sowie der Klima- und Umweltschutz. Letzterer soll bis 2023 mit mindestens 900 Millionen Euro unterstützt werden.

Außerdem hat Hessens Landesregierung festgelegt, dass dabei rund 200 Millionen Euro zusätzlich in die Aufforstung und fortlaufende Pflege der nach Sturm, Dürre und Käferbefall oft schwer angeschlagenen Wälder fließen sollen. Ein Großteil der Summe kommt direkt aus Hessen und nicht vom Bund. Mit der geplanten Investition sollen nicht nur bestehende Schäden beseitigt, sondern auch 100 Millionen neue Bäume in Hessens Wäldern gepflanzt werden. Ziel ist dabei vor allem der Aufbau von klimastabilen Mischwaldbeständen, insbesondere der Erhalt bzw. die Förderung von bestandsfähigen Baumartenmischungen, so die Landesregierung.

Es werden zwar Soforthilfen für Kommunen und private Waldbesitzer von bis zu 5 Millionen Euro angeboten und in Ausnahmefällen kann auch Zugriff auf einen eingerichteten Härtefallfond beantragt werden, doch ein hoher Anteil der oben genannten Gesamtsumme kommt lediglich dem Staatswald zugute. Maßnahmen, wie das vorübergehende Einfrieren der Waldbewirtschaftungs-Gebühren für Kommunen, sind erste wichtige Schritte in die richtige Richtung, aber längst noch nicht genug, um alle Wälder Hessens fit für den Klimawandel zu machen – allen voran die Wälder, die sich im Privatbesitz oder in kommunaler Hand befinden. Es kann nicht alleine die finanzielle Verantwortung der Waldbesitzer sein, die zwangsläufig anffallenden Kosten zu tragen , sondern es muss eine Gemeinschaftsaufgabe der Gesellschaft sein! Denn das ist der Kampf gegen den Klimawandel – eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es lässt sich nicht mehr leugnen, dass die aktuellen Kalamitäten des Waldes eindeutig „klimabedingt“ sind und weit über die jährlich eingerechneten, natürlichen Schädigungen der Baumbestände hinausgehen. Vereinzelten Schadensereignissen natürlichen Ursprungs, wie z.B. starke Winde oder sich langfristig abzeichnende Veränderungen der Standortbedingungen, kann durch waldbauliche Expertise langfristig vorgebeugt werden. Es gibt jedoch auch andere externe Faktoren, zu denen Klimaänderungen zweifelsfrei zählen, bei denen reines Forstmanagement als Gegenmaßnahme nicht mehr ausreicht. Eine fortlaufende Umstellung von Nadelholzreinbeständen zu klimatoleranteren Mischwäldern ist ein Weg, um dem Klimawandel zu begegenen, der sich zukünftig auch erst noch bewähren muss.

Denn die Folgen der globalen Erderwärmung für mehrere Generationen exakt vorherzusehen, ist nahezu unmöglich. Doch ein grundlegendes Verständnis der bereits beginnenden Klimaveränderungen und der Rolle des Waldes bei der Klimaregulierung helfen dabei, fundierte Zukunftsprognosen zu erstellen und fortlaufend enstprechende Maßnahmen zu testen. Aus unserer Sicht wissen viele Bürgerinnen und Bürger in Hessen, aber auch in ganz Deutschland, viel zu wenig über die vielseitigen Ökosystemleistungen des Waldes und schätzen diese dementsprechend auch zu wenig. Das muss sich so schnell wie möglich ändern, um dem Klimawandel entsprechend gewappnet gegenübertreten zu ​ können.

Der Wald ist allerdings nicht nur einer der bedeutendsten Klimaschützer, sondern auch eines der Ökosysteme mit der größten Artenvielfalt in Deutschland. Aus diesem Grund wird er gerne für Sport und Erholung genutzt und ist ein Garant für Gesundheit und Fitness. Er entzieht durch sein Wachstum der Atmosphäre täglich Millionen Tonnen CO 2 , speichert den darin enthaltenen Kohlenstoff und gibt den Sauerstoff wieder an die Luft ab. So ist er der größte CO 2 – Speicher, filtert ganz nebenbei den Staub aus der Luft und speichert riesige Mengen Niederschlagswasser in seinem tief durchwurzelten Boden. Ohne den Wald gäbe es das gemäßigte Klima in Mitteleuropa nicht. Er ist unsere grüne Lunge und prägt damit auch unsere kulturelle Identität. Darüber hinaus versorgt er uns mit dem lebenswichtigen Rohstoff Holz und beschert uns direkt und indirekt jede Menge Köstlichkeiten (Honig, Pilze, etc.). Aus umweltfachlicher Sicht ist er also im wahrsten Sinne des Wortes multifunktional, da er obendrein auch noch als Temperaturpuffer, Erosionsschutz und, besonders in Großstadtumgebung, als Lärmschutz fungiert. Wir möchten unsere Mitbürgerinnen und -bürger dafür sensibilisieren, dass das unbeschwerte Genießen sowie die uneingeschränkte Verfügbarkeit von Natur und Wald alles andere als eine Selbstverständlichkeit sind. Zwar ist heute noch ein Drittel der Fläche Deutschlands mit Wald bedeckt, doch der Wald steht aufgrund des fortschreitenden Klimawandels unter massivem Druck. Dürre und Hitze, sowie teilweise daraus resultierende Waldbrände haben ihm in den vergangenen zwei Jahren stark zugesetzt. Käferkalamitäten haben ihr Übrigens beigesteuert und schwerwiegende Schäden hinterlassen. Diese gilt es jetzt nicht nur zu beseitigen, sondern es müssen auch schnelle Maßnahmen zur Beseitigung von Schadholz und zur Wiederaufforstun der geschädigten Flächen getroffen werden.

Es gilt jetzt, den Wald durch aktiven Waldbau zu erhalten und an den Klimawandel anzupassen, damit uns diese vielfältigen Leistungen auf in Zukunft jeden Tag zur Verfügung stehen – daher brauchen insbesondere private Waldbesitzer eine fortlaufende Unterstützung. Begrüßenswert ist in diesem Kontext zum Beispiel die zusätzliche Einrichtung eines Klimafolgenfonds, parallel zum Energie- und Klimafond. Es ist aus unserer Sicht auch sinnvoll, der aktuellen Forderung des CDU-Bundesparteitags Gehör zu schenken, der die CO 2 -Leistung des Waldes künftig angemessen berücksichtigen und die Einführung einer CO 2 – Bindungsprämie für Waldbesitzer prüfen möchte. Dies könne, so der Antrag, beispielsweise in Form handelbarer Zertifikate geschehen. Der Erhalt des Waldes ist zur Erreichung der nationalen Klimaschutzziele unbedingt notwendig. Daher sollen Anreize für die Anpflanzung und die Bewirtschaftung von Wäldern gesetzt werden, so der Beschluss des Parteitags. Wir von Land.Schafft.Hessen wünschen uns, dass die hessische Landesregierung diesen Beschluss bundespolitisch unterstützt!

Quellen:
https://finanzen.hessen.de/haushalt/haushalt-2020
https://www.fr.de/rhein-main/hessen-gruene-legen-haushaltsplan-mangel-schulen-zr- 13212566.html ​
https://www.hessenschau.de/wirtschaft/investitionen-von-200-millionen-euro-12- punkte-plan-soll-hessische-waelder-retten,zwoelf-punkte-plan-wald-100.html
https://www.topagrar.com/jagd-und-wald/news/aufbau-klimastabiler-waelder-hessen- forst-stellt-nachhaltigkeitsbericht-vor-11818816.html
https://www.mz-web.de/mitteldeutschland/waldschaeden-durch-sturm–duerre– kaefer-sachsen-anhalt-ist-das-zentrum-der-katastrophe-33449004 + Klimapapier AGDW & Familienbetriebe Land und Forst