Der Wald als Klimaretter – Mehr Bäume könnten wesentlich dazu beitragen, die Erderwärmung langfristig auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen

Bäume entziehen beim Wachstum der Atmosphäre Kohlendioxyd und wandeln es durch Photosynthese in Sauerstoff und Zucker um. Die Zucker braucht der Baum zum Wachsen. Er produziert daraus Blätter, Holz und Wurzeln. Den Wäldern wird weltweit eine große Bedeutung beim Klimaschutz beigemessen. Sie sind nach den Meeren die größten Kohlenstoffspeicher der Erde und sie sind durch ihr Wachstum Kohlendioxyd-Senken. Laut einer Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich könnte die Erde ein Drittel mehr Wald beherbergen, ohne dass Städte oder Agrarflächen davon negativ beeinflusst würden. Wenn man bis 2050 die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen einschränkt, sowie eine Milliarde Hektar Land mit Bäumen neu bepflanzt, ist es möglich, das vom Weltklimarat (IPCC) gesteckte Ziel der langfristigen Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius doch noch zu erreichen. Die Wissenschaftler haben keine Zweifel daran, dass das in den nächsten 30 Jahren umsetzbar ist. Der Wald hat das Potenzial zwei Drittel der vom Menschen verursachten klimaschädlichen CO2-Emissionen zu kompensieren.

Ein Drittel von Deutschland ist mit Wald bedeckt. Die Bundesregierung hat sich die Wälder im Rahmen der Klimarahmenkonvention und des Kyoto-Protokolls als Kohlenstoffsenken anrechnen lassen. Die CO2-Speicherkapazität des Waldes wird im Rahmen der Kohlenstoffinventur durch das Johann von Thünen Institut, einer Forschungseinrichtung des Bundeslandwirtschaftsministeriums, errechnet. Darin geht es um die folgenden Fragen: Wie viel Kohlenstoff ist zum Zeitpunkt der Bestandsaufnahme im deutschen Wald gespeichert? Inwiefern hat sich der Kohlenstoffvorrat seit der letzten Messung verändert? Die Ergebnisse überliefert das Thünen Institut an die Bundesregierung, die sich gegenüber den Vereinten Nationen verpflichtet hat, regelmäßig über Treibhausgasspeicher, sowie über Quellen und Senken zu informieren.

Während in anderen Ländern die Neuanlage von Wald vorangetrieben wird, um mehr Kohlenstoffsenken zu bekommen, setzen Waldeigentümer und Förster in Deutschland gerade alles daran, den vorhandenen Waldbestand zu erhalten. Denn der Wald hat mit zahlreichen negativen Einflüssen zu kämpfen: Die Dürre der letzten Jahre beispielsweise, sowie die zahlreichen Stürme sorgen für das Absterben bzw. die Zerstörung großer Waldflächen. Der viel erwähnte Borkenkäfer trägt dazu bei, dass alte Fichtenbestände zerstört werden. Er brütet bevorzugt in der Rinde der durch die Stürme geworfenen Fichten. Stehende und vitale Bäume wehren Borkenkäfer beim Einbohren in die Rinde durch Harzfluss ab. Leiden die Bäume in trockenen und heißen Sommern unter Wasserstress, können sie kein Harz produzieren.

Die letzte Berechnung fand 2017 statt. Darin wurde festgehalten, dass aktuell ca. 1.200 Millionen Tonnen Kohlenstoff in lebenden Bäumen und Waldböden in Deutschland gespeichert werden. Im Jahre 1990 waren es noch ca. 870 Millionen Tonnen. Das zeigt, wie sehr sich die Speicherkapazität weiter erhöht hat. Das verdanken wir vor allem der Aufbauarbeit der Forstwirtschaft. Jährlich erleichtern die Wälder Deutschlands die Atmosphäre um rund 62 Millionen Tonnen CO2. Sie kompensieren damit sieben Prozent der Emissionen des Landes. Die wichtige Rolle, die dem Wald beim Klimaschutz zukommt, ist auf Grund solcher Ergebnisse gut belegbar. Damit er weiter dieser wichtigen Funktion nachkommen kann, muss er aber erhalten und geschützt werden.

Die Borkenkäfer besiedeln sie massenhaft, verbreiten sich rasant auf die lebenden Bestände und bringen sie auf großer Fläche zum Absterben. Doch gerade in diesen lebenden alten Bäumen ist die größte CO2-Menge gespeichert. Es dauert Jahrzehnte bis Bäume so groß sind, dass sie nennenswerte Mengen Kohlenstoff in ihrer Biomasse gespeichert haben. Setzt sich die Zerstörung der Wälder durch den Borkenkäfer und die anderen genannten Einflüsse fort und geht mehr Wald verloren als nachwächst, droht der Wald von der Kohlenstoffsenke zur Kohlenstoffquelle zu werden. Damit dies nicht geschieht, sind Waldbesitzer und Förster unermüdlich im Einsatz und bauen zerstörte Wälder wieder auf. Die Wiederaufforstung ist eins der wichtigsten Instrumente, um die Klimaschutzwirkung des Waldes zu erhalten.

Um dieses Ziel erreichen zu können, sind Waldbesitzer, Waldbauern und Förster jedoch mehr denn je auf Unterstützung angewiesen, da die Bedingungen zunehmend schwerer werden. Denn mit der Misere im Wald sind durch den massenhaften Anfall von Schadholz die Holzpreise ins Bodenlose gesunken. Die Forstbetriebe haben hohe Kosten zu bewältigen, verdienen aber kein Geld mehr mit dem Verkauf ihrer Produkte. Sie bluten regelrecht aus und brauchen finanzielle Mittel um Wiederaufforstungen durchzuführen, Schadholz abzutransportieren und Schädlinge effektiv bekämpfen zu können. Die durch Waldbrände verursachten wirtschaftlichen Schäden müssen ebenfalls kompensiert werden.

Die Liste der Anforderungen an die Waldwirtschaft ist lang. Die Gelder sind jedoch knapp. Die von Bund und Ländern bereitgestellten Mittel sind ein guter Anfang, doch das reicht nicht aus, im Angesicht des ambitionierten Ziels, die Wälder zu erhalten! Auch das Warten auf bewilligte Fördermittel erschwert die Aufbauarbeit erheblich. Es ist wichtig, umgehend die Prioritäten neu zu setzen. Schnelligkeit ist gefragt. Die Erderwärmung wartet nicht, bis Förderanträge abgesegnet und Darlehen bewilligt werden.

Quellen:
https://www.ndr.de/ratgeber/klimawandel/CO2-Speicher-Wie-wird-der-Wald-fit-fuer-den-Klimawandel,wald994.html
https://www.tagesschau.de/ausland/klimawandel-aufforstung-eth-101.html